Reifröcke - das, was Bräute darunter tragen

Accessoires, Brautmode 12. Dezember 2008

Der Reifrock gleicht einer Dame von Welt, die schon weit herumgekommen ist und sich in den verschiedensten Epochen der Weltgeschichte getummelt hat. Im 16. Jahrhundert kam der kegelförmige vertugado, der sogenannte Tugendwächter in der spanischen Hoftracht auf, der im 17. Jahrhundert, in der abgeflachten Variante auf vielen Bildern von Velazquez zu sehen ist. Königin Elisabeth I zeigt sich auf mehreren Gemälden mit der französischen, runden Variante, dem Vertugadin, der tonnenförmig aussieht.


Weniger wohlhabende Damen, die sich den „Panier“, d. h. Korb, nicht leisten konnten, trugen stattdessen den Weiberspeck“ um die Hüften. Später kam das gespreizte Ungetüm einfach aus der Mode. Trotzdem lebte die Idee um 1830 wieder auf in Form der Krinoline, als einige Modemacher Fischbein statt Holz als Reifen in Kleidersäume setzten, um eine Fächerform zu erzielen.

Man testete viele Materialien Leder, Ruten, Holz und versuchte alles, um dem Gewand die Schwere zu nehmen, von Stroh unter Volants, bis hin zu aufblasbaren Gummischläuchen bis hin zu den in England zuerst verwendeten Stahlreifen um 1860, die eine Rockweite von bis zu 8 m ermöglichten. Einschnüren war out, die füllige Pracht der Gewänder wirkte ohnehin grazil.

Die Reifrock Mode heute

Der heutige Reifrock unter dem Brautkleid ist eine geschickte Mischung aus dem Reifrock mit den Metallreifen in Abstufungen und dem seit den 50er Jahren beliebten Petticoat. Christian Dior schuf 1947 die Ligne Corolle, die Blütenkelchlinie, dem Startschuss für den Petticoat-Trend der folgenden 20 Jahre mit dem Lebensgefühl der Rock’n Roll- Epoche.

Die Braut muss sich heute weder einschnüren, noch auf Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit verzichten. Sie hat sogar die große Qual der Wahl, denn es gibt den Reifrock in vielen schönen Varianten: neben weiß gibt es auch gold, rot, blau und viele andere Farben. Der Umfang reicht von 1,50 m mit einem Reifen bis zu 4,50 m mit bis zu vier abgestuften Reifen.

Die Modelle sind mit sehr leichtem Polyester gearbeitet, werden flach zusammengelegt geliefert und können von der Trägerin vor dem Einsatz dann aufgefächert werden. Die Braut kann für den individuellen Schnitt ihres Kleides zwischen glatten und gerüschten Modellen wählen. Auch für den Bedarf der Theater und Opernhäuser werden Reifröcke nach wie vor in der Kostümschneiderei benötigt. Aus der heutigen festlichen Mode ist der Reifrock nicht wegzudenken.


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